neuzeit


Die Kirche

 

Das Äußere des Baues ist unscheinbar.

Die klassizistische barockisierende Fassade stammt von 1845.

Das Innere wirkt durch die machtvolle Strenge der rein funktionellen Architektur.

Schlanke, durch Spitzbögen miteinander verbundene Pfeiler tragen das spitzbogige Tonnengewölbe.

Gurtbögen und Konsoldiensten trennen die Joche.

Jedem Mittelschiffjoch entsprechen beiderseits zwei Abschnitte der Seitenschiffe.

Die Einrichtung, der große Hochaltar lässt zwischen den Säulen seines fünfschiffigen Aufbaues die Farbenpracht der Glasgemälde zur Wirkung gelangen.

Bemerkenswert ist auch der spätbarocke große Bernhard – Altar. Die Statuen der beiden hll. Johannes, der Engel, Kapitelle und das Wappen sind aus weißem genuesischen, das übrige aus schwarzem Marmor gemeißelt.

Stift Viktring


Wenngleich die meisten großen Stiftungen dem 12. und 13. Jahrhundert angehören, so gibt es in Viktring im Gegensatz zu anderen Klöstern Grundbesitzstiftungen bis ans Ende des Mittelalters.
 

Mehrfach werden aber im 14. Jahrhundert auch Hörige ohne Liegenschaftsbesitz gestiftet, weil Grund und Boden nicht mehr im Ausmaß früherer Jahrhunderte zur Verfügung standen.

Die Zisterzienser in Viktring haben, getreu ihrem Ordensideal, in den ersten beiden Jahrhunderten nach der Gründung sehr ausgedehnte Eigenwirtschaften in der engeren Umgebung des Klosters betrieben.

Im Urbar des Jahres 1488 sind die ursprünglichen klösterlichen Eigengründe allerdings schon zerteilt und in Form von Huben an bäuerliche Untertanen ausgegeben worden, doch läßt sich ihr früherer großer Umfang noch aus dem Namensgut erschließen.

So gibt es in der Nähe des Stiftes Bauernhöfe in „Schafhofen“. Dies ist ein deutlicher Hinweis auf einen klösterlichen Viehhof des Hochmittelalters, dem ja auch die Maieringgalm als dazugehörige Hutweide entspricht.

Noch im 18. Jahrhundert wurden rund um das Stift, in Wintschach, Stein, Goritschitzen und im Waidmannsdorfer Moos mehr als 20 Teiche bewirtschaftet.

Obwohl die Naturalabgaben der entfernter liegenden Untertanen größtenteils schon lange in Geld abgelöst worden waren, bezog das Stift noch im 18. Jahrhundert jährlich auch große Mengen an Getreide, Vieh und sonstigen Lebensmitteln.

Weiters erhielt das Stift jährlich u.a. 112 Kälber, 34 Kitze, 87 Kapaune, 739 Hühner, 121 Schultern, 1319 Pfund Schmalz, über 20.000 Eier und 659 Pfund Schmalz.

Wie andere geistliche Landstände haben sich auch Viktringer Äbte im 17. und 18. Jahrhundert sehr rege am politischen Geschehen beteiligt. Das Wahrnehmen von Sitz und Stimme im Landtag sowie die wiederholte Tätigkeit als Mitglied des Verordnetenkollegiums war trotz der geringen Entfernung zu Klagenfurt aus der Sicht von damals ohne ein repräsentatives Stadtpalais kaum möglich.

Zur kunsthistorischen Bedeutung von Kirche und Stift Viktring

 

Ihre überregionale kunsthistorische Bedeutung verdankt die Kirche den gotischen Glasgemälden des Chores. Durch sie besitzt Viktring ein erstrangiges Kunstwerk der Gotik, dessen vollständige Erhaltung- nunmehr 600 Jahre- die Kostbarkeit umso mehr unterstreicht.

Der vierstöckige Hochaltar von 1622 zählt zu den größten und frühesten Barockaltären Kärntens. Seine Konzeption nahm auffallend Bedacht auf eine diaphane im Hinblick zum gotischen Chor mit kostbarem Glasgemäldeschmuck.

Die Südseite des Marienhofes, sowie die Süd-, Ost- und Nordseite des anschließenden Stifthofes sind eindrucksvoll durch Säulenarkaden gestaltet.

Besonders hervorzuheben ist der Raum des heutigen Konferenzzimmers, der durch Entfernung einer Zwischenwand eine selten schöne Konzeption der Deckengestaltung mit zwei Spiegeln zeigt.

Von großer kunsthistorischer Bedeutung ist jedoch der heute sogenannte „Freskensaal“, die ehemalige Klosterbibliothek. Die prachtvolle Decke, architektonisch als Tonne mit Stickkappen ausgebildet mit ihren reichen Bild und – Stuckkappen, war vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis 1978 vermauert. Die Entfernung der Zwischendecke im Zuge des Umbaues zum Gymnasium brachte ein noch unberührtes Kunstwerk im Orginalzustand zu Tage.

Die Abtragung des Westteils der ehemaligen Viktringer Stiftskirche im Jahr 1843


Im April 1842 fielen Verputzteile des Gewölbes auf eine Frau. Drastisch schilderte (Pfarrer) Puntschart in seiner Intervention (mit Stadtmaurermeister Michael Lemminger) auch den Zustand der Sakristei, wo die Kirchenwäsche verschimmelte und die Geruchsnerven „in unliebsamen Anspruch“ nahm, sowie die Wände wegen der aufsteigenden Feuchtigkeit in allen Farben schillerten, nicht aber die Bilder, die durch den Schimmel allmählich unkenntlich wurden!


Am 1. März 1843 unterzeichnete Venchiarutti den Baukontrakt mit der Patronatsherrschaft, und am 18.April machte er den Pfarrinsassen ein
überraschendes und erfreuliches Angebot: Anstelle der behördlicherseits genehmigten Ablösesumme für die Hand-und Fuhrrobot in Höhe von 2.456fl.37kr. begnügte er sich mit der halben Summer, die, auf Untertanen aufgeteilt, einen erträglichen Kostenanteil zwischen 93fl. (für die Doppelhube) und 6kr.3 Pfennige (für die kleinste Keusche) ausmachte.

In der zweiten Maiwoche 1843 begannen die Abtragungsarbeiten: Während die Orgel mit einer gewissen Sorgfalt zerlegt wurde, zerschlug man die barocken Chorstühle zu Brennmaterial und trug die gleichfalls barocke Kanzel, die schon zuvor durch Wassereinbrüche Schaden genommen hatte, derart sorglos ab, daß sie später nicht wieder aufgestellt werden konnte.

Die abzutragenden fünf westlichen Landhausjoche wurden durch Untergrabung der merkwürdig seichten Fundamente von außen und Verbrennung der unterlegten hölzernen Pölzung demoliert.

Vom kunsthistorischen Standpunkt besonders bedauerlich war die Abtragung der Westfassade mit einem getreppten Portal, das laut Hermann noch aus dem 12. Jahrhundert stammte und durch eine schematische Ansicht 1820 nur unzureichend dokumentiert ist.

Die Gartenanlagen des Gymnasiums Viktring vom Klostergarten über die Morosche Gartenpracht bis zum Schulpark


In der heutigen Zeit erinnert nur mehr wenig an die vergangene Gartenpracht der Grünanlagen um das ehemalige Zisterzienserstift Viktring. Würden nicht historische Quellen diese Welt der sortenreichen Obstbaumkulturen und der tropischen Zier-und Obstpflanzen in den Gewächshäusern überliefern, wäre dieses Wissen um die gärtnerische Kunst des 19 Jahrhunderts wohl für immer verloren gegangen.

Die Geschichte der Grünanlagen beginnt mit der Zeit der Zisterziensermönche in Viktring. Als die Mönche im Juni 1142 ankamen, war die Umgebung des späteren Klosters ziemlich unwirtlich mit Sümpfen und Bruchwäldern bedeckt.

Die Mönche hatten eine große Erfahrung in der Landwirtschaftslehre, in der Bienen-und Obstbaumzucht und brachten aus Frankreich neue Sämereien, Werkzeuge und Pflüge mit.

In den Baumkulturen der Moroschen Gartenanlagen waren bereits viele Sorten von Weinreben, Pfirsichen, Nektarinen, Aprikosen, Birnen und Äpfeln vertreten (Max R.v.Moro, 1879).

Im Jahre 1990 entstand nun die Idee, diese alten Obstbäume im Westeil des Parks auszuweiten. Die finanzielle Spende einer Bildnerischen Klasse aus dem Verkauf eines Umweltschutzkalenders und ein Umweltschutzwettbewerb der Käntner Sparkasse mit dem Motto „Handeln statt Reden“ kamen gerade recht, um diese Idee auch in die Realität umzusetzen.

Für die Neubepflanzung im Oktober 1990 wurden bis auf die Apfel-Quitte nur Hochstammbäume ausgewählt, wobei besonders alte Sorten bevorzugt wurden.

Quellenangaben:


Deuer Wilhelm, Die Abtragung des Westteils der ehemaligen Viktringer Stiftskirche im Jahr 1843, S.103-114, in Stift Viktring (1788-1966), Festschrift zum 850. Jahrestag der Klostergründung, Kulturamt des Landes Kärnten 1992

 

Ginhart, Karl (1962): Viktring/ Kärnten, Salzburg: Verlag St. Peter
 

Reichmann- Endres, Elisabeth, Zur kunsthistorischen Bedeutung von Kirche und Stift Viktring S. 51-66, in Stift Viktring (1142-1992), Festschrift zum 850. Jahrestag der Klostergründung, Kulturamt des Landes Kärnten 1992
 

Wilhelm Wadl, Streiflichter zur Besitz-und Wirtschaftsentwicklung von Stift Viktring, S.29-36, in Stift Viktring 1142-1992, , Festschrift zum 850 Jahrestag der Klostergründung, Kulturamt des Landes Kärnten, Klagenfurt 1992
 

Zwander Helmut, Die Gartenanlagen des Gymnasiums Viktring vom Klostergarten über die Morosche Gartenpracht bis zum Schulpark, S. 115-131, in Stift Viktring (1788-1966), Festschrift zum 850. Jahrestag der Klostergründung, Kulturamt des Landes Kärnten 1992

Kostenlose Webseite von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!