architektur


Generalsanierung der ehemaligen Zisterzienserabtei Viktring (Baubericht 1999)

Die Viktringer Klostergebäude

Der an der Spitze des Ordens stehende Bernhard von Clairvaux entwickelte einzigartig strenge Bauvorschriften (Verzicht auf Mauertürme, aufwendige Fußböden und figürliche Glasfenster), und da der Orden streng zentralistisch orientiert war und Tochterklöster streng dem Bauschema der Mutterklöster folgten, kam es in der ersten Blütezeit des Ordens im 12. und 13. Jh. zur raschen und europaweiten Verbreitung der aus der burgundischen Kunstlandschaft und Tradition erwachsenen zisterziensischen Klosterbaukunst.


Mittelpunkt der Anlage war die mächtige Kirche für die gottesdienstlichen Verrichtungen der Mönche.

Um den Kreuzgang, der neben der Funktion eines Verteilers auch Stätte der Meditation war und in einem meist kunstvoll gestalteten Anbau das Brunnenhaus (zugleich auch als Waschraum für die Mönche) beherbergte, waren im Osten zunächst ans Querhaus der Kirche anschließend die Sakristei und die Bücherkammer, dann das Kapitelhaus angelegt.

In diesem auch architektonisch durch gekuppelte Fenster zum Kreuzgang und eine von Stützen getragene Wölbung hervorgehobenen Raum wurden wichtige Beschlüsse des Konvents gefaßt, der Abt gewählt und auch Strafen verhängt.

An den Sprechraum (weil ansonsten im Kloster Schweigeverbot herrschte) schloß südlich ein gemeinsamer Arbeitsraum an. Darüber erstreckte sich der nüchterne gemeinsame Schlafraum.

Die Mitte des Südtraktes nahm der Speisesaal der Mönche ein, der im Westen von der Küche und im Osten von der Wärmestube flankiert war.

Im Westtrakt finden wir schließlich den Vorratskeller, die Pforte und die Räume der Konversen (Laien, die ohne Mönchsweihen in der klösterlichen Gemeinschaft lebten).

Am Ende der Schlafräume wurden über künstlich geleitete Fließwasser die Latrinen errichtet, eine aus damaliger Sicht moderne sanitäre Lösung.
 

In Viktring blieben von der hochmittelalterlichen Klosteranlage des 12. Jh. lediglich die Osthälfte der Stiftskirche, eine achtjochige Staffelhalle mit spitzbogigen burgundischen Gewölben, nicht ausladendem Querschiff und ursprünglich geradem Chorschluß, sowie vom Nordflügel des Kreuzganges vier Jochen erhalten.

Dieser seit dem 19. Jh. als Sakristei verwendete Bauteil birgt noch das schöne hochromanische Kreuzgangportal mit doppeltem eingestellten Säulenpaar; dazu sind mehrere zierliche Knospenkapitelle der ursprünglichen Bogenöffnungen des Kreuzganges in Zweitverwendung in der Kirche erhalten geblieben.

Die Kirche erhielt einen größeren gotischen Chor, in dessen Maßwerkfenster die großartigen Glasmalereien eingefügt wurden, sowie einen Turm; der Kreuzgang wurde mit einer feuersicheren Wölbung versehen.
 

Der Abt als Vorstand und Vorbild der Mönchsgemeinde, aber auch als Vermittler zur Außenwelt besaß nach der Benediktsregel von Anfang an eine eigene Wohnung. Ein neues Viktringer Abthaus (Prälatur) ist gebaut worden.
 

Im 16. und 17. Jh. ist es in Viktring mehrmals zu Umbauten der Konvent- und Wirtschaftsbauten gekommen.

Museum ist anderswo


Die Forderung der Bauherrn (BMWA) und des Nutzers (BMUK) im Falle der Adaptierung und Sanierung des BRG Klagenfurt – Viktring, nämlich das Alte mit den modernen Forderungen in Einklang zu bringen, hat Architekt DI Gernot Kulterer durch seine zeitgemäße aber zurückhaltende Gestaltung in beeindruckendem Maße Rechnung getragen.

Selbst der Kulturbericht 1997 spricht von einer durchaus bemerkenswerten architektonischen Neulösung. (Kulturbericht 1997, BMUK, S. 148) Die Sanierungs- und Adaptierungsarbeiten wurden in sechs Baustufen mit Gesamtbaukosten von zirka 200 Millionen ATS durchgeführt.

Viktring – Der Umbau zur Schule aus der Sicht der Denkmalpflege


In den sechziger und siebziger Jahren galt das Stift Viktring als der größte Problemfall der Kärntner Denkmalpflege, da der barocke Bau zum Großteil leer stand, dringend sanierungsbedürftig war und für diesen keine geeignete Widmung gefunden werden konnte.

Das Land Kärnten nahm das Stift 1971 wegen des schlechten Zustandes nicht einmal als Geschenk des Bundes an. Verschiedenste Nutzungsvarianten – vom Lehrlingsheim bis zum Landesarchiv – wurden damals in einem etwas aufgeheizten politischen Klima diskutiert, bis 1975 endlich die Entscheidung zur Errichtung eines „Musikgymnasiums“ fiel.
 

Eine große positive Überraschung war 1977 die Auffindung der stuckierten, 1765 mit Fresken von Johann Gfall ausgestatteten Decke der ehemaligen Klosterbibliothek, in der heute ein Festsaal untergebracht ist.

Eine wenige Jahre alte Ziegeleindeckung des Stiftes mit untauglichem Material machte Neueindeckungen großer Bereiche und auch Umdeckungen mit dem für Barockbauten von der Optik her ungeeigneten Eternit im Arkadenhof notwendig.

Immer wieder wurde ein Schließen der Arkaden des Osthofes diskutiert, letztlich aber der überkommene barocke Zustand ohne Veränderungen von allen Beteiligten akzeptiert.

Der, in den siebziger Jahren gängigen, Überbewertung der bauphysikalischen Anforderungen und daraus resultierenden Wärmedämmerungsbestrebungen, konnte das Stift wegen der künstlerischen Bedeutung seiner barocken Fassaden und Innenräume noch entgehen.

Die gestalterischen Maßnahmen der Anfangszeit waren von der damals üblichen, aus heutiger Sicht – nach etwa einem Vierteljahrhundert – eher konservativen Art, mit nicht immer geglückten Versuchen von Übernahmen der barocken Ausstattungsteile bestimmt.


Ein Gutachterverfahren der Jahre 1989/1990 unter Teilnahme von drei Architekten brachte ein in der Zwischenzeit abgeschlossenes, funktionelles und gestalterisches Leitkonzept für Sicherungsmaßnahmen, die Hofgestaltung, die neu zu errichtende Schulbibliothek und die im Vergleich zu den bisherigen Ausbauten sehr schwierige Nutzung der Randbauten im nordwestlichen Stiftsbereich.

In den letzten Jahren ist es Architekt Gernot Kulterer in beispielhaft enger Zusammenarbeit mit den Vertretern der Schule, der Bundesgebäudeverwaltung und dem Landeskonservator gelungen, einige sehr behutsame, auf den Dokumentarwert und die Geschichtlichkeit der vorhandenen Bausubstanz eingehende, den Richtlinien der Charta von Venedig entsprechende, gestalterisch überzeugende Ein-, Um- und Anbauten durchzuführen.

So wurde die neue Schulbibliothek als Stahl-Holz-Konstruktion in einem südlich an die Kirche anschließenden, beim Stiftsumbau der Barockzeit nicht fertiggestellten, an den Fassaden dreigeschoßigen, hohen Raum errichtet und dabei die historische Bausubstanz an drei Seiten nahezu unverändert belassen.

Im ehemaligen <<Getraid-Kasten>>, der den großen Stiftshof nach Norden begrenzt, konnten Teile der Bildnerischen Erziehung untergebracht werden, wobei die gut überblickbare Hoffassaden mit den kleinen barocken Speicherfenstern erhalten und zum Teil sogar rückgebaut werden konnten, da die notwendigen Belichtungsöffnungen an der kaum einsehbaren Außenseite des Gebäudes untergebracht wurden.

Eine besonders bemerkenswerte architektonische und gestalterische Lösung zeigen die Einbauten im Obergeschoß des nordwestlichen Baues der Stiftsanlage, wo im ehemaligen <<Heu Boden und Tresch Boden>> Unterrichtsräume in Glaskonstruktionen errichtet wurden.


Viele der Adaptierungsmaßnahmen der letzten Jahre zeigen damit ein optimales Nebeneinander historischer Bausubstanz und neuer Architektur. Stift Viktring zeigt beispielhaft die erstaunliche Anpassungsfähigkeit der vorwiegend barocken Klosteranlage, die nach der Aufhebung dieses Klosters zu einem Schloss mit Fabrik und letztlich unter Wahrung aller architektonischen Qualitäten zu einer der vermutlich schönsten Schulen Österreichs werden konnte.

Der Ausbau des Stift Viktring als Dialog von Alt und Neu


Die Realisierung erfolgte in mehreren Etappen:

Bibliothek und Medienzentrum (1990-92)

Der als barocker Rohbau aus der Zeit der Klosteraufhebung unter Josef II. bestehen gebliebene Verbindungstrakt zwischen Stift und Kirche wurde als Informations- und Medienzentrum adaptiert.

Auf eine fragwürdige historisierende Ergänzung des Fragments durch Verputz, Decken und Fenster wurde verzichtet und das rohbelassende Mischmauerwerk im vorhandenen Originalzustand innen und außen erhalten. Abgerückt von den alten Mauern wurde ein zweigeschossiger <<Bibliotheksturm>> in Stahlkonstruktion in den Innenraum gestellt.

Herstellung von Schutzdächern (1992-93)


Gegen herabfallende Ziegel und gegen die, von den hohen und steilen Dächern abgehenden gewaltigen Schneelawinen waren vor allen Hauptportalen Schutzdächer unumgänglich. Um eine möglichst leichte Wirkung der dazu statisch erforderlichen ca. 10 m langen Stahlbetonplatten zu erzielen, wurden diese mit Edelstahlstangen von jeweils vier Masten abgehängt.

Kindergarten (1994-95)

Zur Wettbewerbsaufgabe gehörte außer der Schulnutzung auch der Einbau eines Pfarrkindergartens für den Caritasverband.

Bildnerische Erziehung und Tagesheim (1996-97)

In einem ehemaligen Getreidespeicher erfolgte der Ausbau von Räumen für Bildnerische Erziehung und das Tagesheim der Schule.

Da hier die in Bodenhöhe gelegenen Belüftungsöffnungen zur Belichtung der Zeichensäle nicht ausreichten, wurden an der Nordfassade vier zweigeschoßige, mauerbündig verglaste Großfensterelemente eingesetzt.

Die beiden Obergeschoße sind durch je einen innen- bzw. außenliegenden Stiegenhausturm aus Stahl zugänglich.

Über dem zweiten Obergeschoß wurde die Holzdecke angetragen und der sanierte Dachstuhl in die Räume einbezogen.

Werkerziehung (1997-1998)

Der ehemalige Pferdestall mit darüberliegendem Dreschboden beherbergt nun die Räume für die Werkerziehung.

Die Putze und Wandoberflächen aus der Entstehungszeit wurden im Original erhalten und die unverglasten Fensteröffnungen mit Nurglasscheiben versehen.

Auch hier erfolgt die Erschließung des Obergeschoßes mit einem Stahlstiegenturm. Ein Teil der Unterrichtsräume wurde in Glas ausgeführt.
 

Das freie Hineinstellen von Glas- bzw. Metallcontainern in die Scheune ermöglichte es, dieses riesige Raumvolumen unbeheizt und trotzdem von innen sichtbar im Originalzustand zu belassen.

Adaptierung vom Hauptgebäude (1998-99)


Die abschließenden Baumaßnahmen bestanden im Einbau einer zeitgemäßen Zentralgarderobe, die Sanierung der WC-Anlagen sowie den Umbau des Direktionstraktes zu einem modernen Verwaltungszentrum. Durch ein neues, energiesparendes Lichtkonzept erhalten die überwölbten Arkadengänge nun auch am Abend effektvolle Plastizität.

Quellenangaben:


Dr. Wilhelm Deuer (1999): Die Viktringer Klostergebäude von ihren Anfängen bis zum Erwerb durch die Republik Österreich (1142 – 1970), S.4 - 8. In: Bundesrealgymnasium Klagenfurt – Viktring. Generalsanierung der ehemaligen

Zisterzienserabtei Viktring, Wien: Republik Österreich Bundesministerium für wirtschaftliche Angelegenheiten
 

MMag. Doris A. Karner (1999): Museum ist anderswo, S. 18. In: Bundesrealgymnasium Klagenfurt – Viktring. Generalsanierung der ehemaligen Zisterzienserabtei Viktring, Wien: Republik Österreich Bundesministerium für wirtschaftliche Angelegenheiten
 

HR Dipl. Ing. Dr. Ulrich Harb (1999): Viktring – Der Umbau zur Schule aus der Sicht der Denkmalpflege, S. 20. In: Bundesrealgymnasium Klagenfurt – Viktring. Generalsanierung der ehemaligen Zisterzienserabtei Viktring, Wien: Republik Österreich Bundesministerium für wirtschaftliche Angelegenheiten
 

Dipl. – Ing. Gernot Kulterer (1999): Der Ausbau des Stiftes Viktring als Dialog von Alt und Neu, S. 24 – 26. In: Bundesrealgymnasium Klagenfurt – Viktring. Generalsanierung der ehemaligen Zisterzienserabtei Viktring, Wien: Republik Österreich Bundesministerium für wirtschaftliche Angelegenheiten
 

Abbild Bibliothek: http://www.brg-viktring.at/extras/bilder/bibliothek.jpg

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